© Philipp Schäfer

Welcome to the Sea!

Ärmelkanal

Tag 5: Im Ärmelkanal

Nachdem der Lotse von Bord gegangen war ging ich noch bis zum Abendessen nach draussen. Mein erster Weg war es ans Bug zu gehen. Bis zum Windbrecher hörte man die ca. 100 Reefer (Kühlcontainer), die man uns über Nacht vor das Deckshaus gesetzt hatte und einen Höllenlärm machten (natürlich nicht in der Kammer). Im Bugbereich waren noch keine (änderte sich ab Le Havre dann).

Als man dann durch den Durchgang im Windbrecher ging, meinte man, man passiere ein Portal in eine eigene Welt. Plötzlich kein Wind mehr, kein Geräusch, kein Wassergeräusch, kein Windgeräusch, nichts. Es war Totenstille. Ich hätte mit viel gerechnet, aber gewiss nicht mit dem.



Die MSC Bremen passiert uns.



Der Suez-Search-Light-Davit: Seine Hauptaufgabe ist es, einen gigantischen Scheinwerfer für Notfälle im Suezkanal bereitzustellen. Sonst wird er sehr selten auch beim Mooring verwendet.



Ne hübsche Kette.



Der Foremast... gigantisch hoch.




Abgashutzen: Diese surrten spätestens ab Le Havre vor sich hin.



Blick durch das Containergerüst: Hier nur fünf Lagen.

 

Nachdem ich die Ruhe kennen gelernt habe ging ich über 300m nach hinten zum Maschinenhaus. Hier gab es dann gratis Fussmassage, alles bebte. Der Sound war gewaltig aber dennoch nicht sehr laut, im Gegenteil. Die Reefer hinten übertönten den grossen Motor.

Der Sonnenuntergang war Dank dem Siff am Himmel nicht so wirklich schön und ich ging zurück zum Abendessen.

 


Die Sonne plumpste wieder in den Dunst.

 

Abends ging es dann wieder auf die Brücke. Seit Hamburg hatte ich allmählich Kontakt zur Crew hergestellt. Klar musste ich ständig die Frage beantworten, warum man auf einem Containerschiff Ferien macht. Viele Mitglieder der Crew, darunter auch Offiziere, waren sogar noch jünger als ich. Allgemein waren alle freundlich, nett und es ging teilweise auch lustig zu. Die Grosscontainerschiffe von CMA CGM fahren meist unter französischer oder, wie unsere Alexander von Humboldt, unter britischer Flagge. Bei französischen Schiffen kommt die Crew aus Frankreich, bei britischen aus Osteuropa, überwiegend Kroatien. Es war auch ein Serbe an Bord und unser Steward (den man ab über 30 Mann/Frau an Bord bekommt, Dank Passagiere bis Malta gegeben), aus Rumänien. Die Steuermänner und Deckmannschaft kamen aus den Philippinen. Mit an Bord waren noch drei Kadetten, dabei zwei auf der Brücke und einer bei der Maschine. Zwei kamen aus Marokko und einer aus Tunesien. Die Unterhaltungen fanden grundsätzlich in der Landessprache statt (also Kapitän zum 3. Offizier zum Beispiel auf Kroatisch). Ansonsten wurde englisch gesprochen.

Zu tun gibt es auf „hoher See“ dann eigentlich nicht viel. Unabhängig von der Maschine fährt man eigentlich stur geradeaus. Selten steht eine Kursänderung an und bei unserer Fahrweise wurde der Kurs automatisch gehalten (man kann auch vollautomatisch als auch voll manuell fahren, letzteres geschah im Hafen immer). Daher herrscht meist Langeweile auf der Brücke. Fernglas und Stifte sind die wichtigsten Arbeitsmittel: Ausguck sowie Kurs und Zeitangabe ins Logbuch eintragen.

Die Crew nutzte meine Anwesenheit um ein paar Bilder anzufertigen. Nachts ist es auf der Brücke natürlich stockdunkel. Man sieht nur dank des Mondes nach vorn, denn das Licht an der Front sieht man durch die Container nicht. Weitere Positionslichter und Gefahrgutlampen waren auf dem Dach. Hinter der Brücke gab es ein Backoffice. Hier brannte Licht und es musste nachts mit einem Vorhang abgetrennt werden. Vorn wurden dann alle Instrumente gedimmt und von weissem auf schwarzem Hintergrund umgestellt.



Observation!



Wenig zu tun.



Noch war unter uns weniger als 100m Wasser bis zum Meeresgrund.



Bald sind wir in Frankreich, Heimatland der Reederei.

 

Damit meine Kamera einen Anhaltspunkt für den Fokus hat, schalteten sie mir freundlicherweise die rote Beleuchtung am Pult ein. Gegen Mitternacht ging ich dann wieder auf meine Kammer, stattete aber zuvor am Aussendeck noch ein Besuch ab. Dabei gab es noch zwei Bilder: Meine Kammer von aussen sowie der steuerbordseitige Kran vom G-Deck aus. Nach der abendlichen Prozedur (Bilder auf Laptop) ging es dann ins Bett. Allerdings musste ich mit Schrecken feststellen, dass mein Speicherplatz auf den SD-Karten als auch auf dem Laptop schon zur Neige geht… Morgen sollen wir schon in Le Havre ankommen. Also letzte Gelegenheit für einen Landgang! Zum Glück ist dies nicht erst vor Gibraltar passiert...



Wer hat das Licht in meiner Kammer brennen lassen (ich natürlich, extra für's Foto).



Blick hinab ins Wasser. 2GEH4 ist das Rufzeichen der CMA CGM Alexander von Humboldt.










© Philipp Schäfer