© Philipp Schäfer

Welcome to the Sea!

Anfahrt Le Havre

 

Tag 6: 3.05.2017 Ankunft in Le Havre

 

Am nächsten Morgen aufgewacht: Noch kein Land in Sicht. Dafür war das Wetter wieder schlechter. Viel Dunst und Wolken, selten schwache Sonne. Das zog sich auch so durch.

 

Meist waren wir alleine unterwegs und sahen nur selten andere Schiffe. Meist Tanker und Bulkcarrier oder kleine „Kümo’s“. Diese wurden meist steuerbord oder backbord liegen gelassen, sie sind auch nicht so schnell.

Nach und nach tauchten auch einmal zwei weitere Containerschiffe auf: Hinter uns eine ältere MSC-Kiste sowie eine alte Bekannte: Die San Clemente von Hamburg Süd. Diese war auf der Elbe etwas langsamer unterwegs. Wir durften vor und der Lotse war auf späten Vormittag bestellt. In Le Havre kam dieser mit dem Helikopter zu uns. Über Funk wurde alles vorbereitet und die beiden Seitentüren auf die Nocks geöffnet. Bisher waren diese verschlossen, im Mittelmeer später immer eine offen (da war es dann etwas wärmer). Irgendwann entdeckte man ein Punkt am Himmel der näher kam. Raus durfte zu diesem Zeitpunkt keiner und Schwupps, kam der erste Franzose geflogen. Gefolgt von einem Zweiten und Arbeitsmaterial. Nach der Begrüssung installierten diese sich und nun war unser schweizerischer Passagier mit seiner Sprache im Vorteil.



Der Steuermann hisst die französische Flagge.



Eine alte Bekannte: Die San Clemente.



Kommt ein Franzose geflogen...

Auch wenn die Lotsen teilweise andere Hilfsmittel benutzen (der Niederländer installierte ähnlich den Franzosen etwas auf den Nocks, der deutsche Lotse hatte ein Tablet und ein Notebook mit sich), die Arbeit war meist gleich: Es wurden drei Zahlen diktiert: Der zu fahrende Kurs. Der Lotse nimmt nur eine beratende Funktion ein. Meist vertrauen die Kapitäne und Offiziere ihnen „blind“. Aber es ist zwingend vorgeschrieben, dass mindestens Kapitän oder ein Offizier auf der Brücke sich befinden muss.

In der Ferne sah man schon Land. Man näherte sich immer weiter und die ersten typischen Elemente von Le Havre wurden sichtbar: Die markante Kirche Saint-joseph, die einheitlichen Blockhäuser aus Beton und die Hafenanlagen. Le Havre ist eine grosse Industriestadt im Norden Frankreichs. Der Hafen war grösser als ich dachte. Nach der Drehung im Wendebecken ging es dann an den hintersten Liegeplatz.



Seekarte Le Havre.



Das Wetter war sehr siffig, immerhin brach selten, aber stärker als in Rotterdam, die Sonne durch. Gesprächsthema zwischen Kapitän und Lotsen: "Seit Exxon Valdez sind alle Sicherheitsvorkehrungen viel schärfer"... Hmmm, das habe ich doch schon einmal gehört...



Und wieder eine MSC: Die MSC Anna. Sieht zwar ähnlich aus wie Maya und Viviana, ist aber ein weiterer 400-Typ (dann gebe es noch den MSC-London-Typ mit 400m).



Raus was keine Miete bezahlt... auf zur Drehung!



Und Schwupps, Nase voran.



Auch die San Clemente macht fest. Sie ging über Nacht noch weg. Ab hier trennten sich unsere Wege. Sie geht nach Südamerika.

Dann die übliche Prozedur: Der Kapitän stand mit dem Funkgerät sichtlich (mehr oder weniger) entspannt auf der Nock und gab die Anweisungen für das Mooring (Festmachen). Danach wurde der Steg aufgebaut und ich ging zum Mittagessen. Anschliessend wollte/musste ich in die Stadt, Speicherkarten kaufen oder in diesem Fall gleich noch eine externe Festplatte dazu.

 

Die anderen beiden schwäbischen Mitreisenden wollten ebenfalls in die Stadt für einen Kaffee. Also beschlossen wir, zu dritt ein Taxi zu bestellen. Dies ging irgendwie nur über den 1. Offizier. Und der sass gerade im Ship-Office im Upper-Deck und schaute sich die Staupläne an. Welcher Container kommt wo hin? Da hiess es erstmals warten. Erst nach einer knappen Stunde hatte er kurz Zeit. Wie gesagt, es ist halt ein Frachtschiff. Das Taxi wurde bestellt und es hiess ca. 30 Minuten. Mittlerweile war es schon Nachmittag. Nach einer knappen Stunde fragte ich nochmals nach und etwas verärgert (dass das Taxi nicht hier war) rief der „First“ wieder beim Hafen an (parallel dazu ein zweites Telefon am Kopf). Und siehe da, zehn Minuten später kam das Taxi endlich. Schnell die wackelige Gangway hinab und die letzten Stufen (hier schaukelt es sehr stark) nahm ich diesmal mit Respekt, aber es klappte gut. Das Wetter war sehr durchwachsen.

Als ich im Taxi sass, kam mir der Gedanke, wie komme ich zurück? Logischerweise mit dem Taxi aber ich kann ja schlecht sagen „ich muss zur CMA CGM Alexander von Humboldt“. Immerhin konnte/wollte der Fahrer Englisch reden, mein Französisch ist nicht mehr das beste…Also die Situation geschildert, denn in Le Havre gibt es keine Shuttlebusse wie in Hamburg. Hier fährt das Taxi direkt zum Schiff. Wir verblieben so, dass ich ihn anrief, er kennt ja bereits den Weg.

Über die Stadt möchte ich hier nicht gross berichten, da es sich hier um eine Seite über das Schiff handeln soll. Auch auf Hamburg und Malta gehe ich nicht tiefer ein (vielleicht später einmal mit eigenen Unterseiten). Zuerst ging‘s ins grosse Kaufhaus, eine weitere SD-Karte und eine externe Festplatte kaufen. Ebenfalls wurde noch etwas Proviant eingekauft.

Von der Stadt selbst, ich hatte mich ja vorinformiert, war ich sogar echt begeistert. Es war viel schöner als ich aus dem Internet entdeckt habe. Ich muss sagen, wenn man mal in der Nähe ist, ein Besuch lohnt sich durchaus. In einem halben Tag erreicht man hier sehr viel. Der monotone Baustil der Blockhäuser aus den 50er Jahren sieht nicht einmal so schlecht aus und es gibt durchaus sehr wenige alte Gebäude.

 

Leider quittierte mein altes Objektiv bei meinem Trip durch die Stadt den Dienst und ich war dann bei den Bildern stark eingeschränkt. Zum Glück vor der Reise noch eine neue Ausrüstung gekauft…

 

Das Wetter hat zumindest teilweise mitgespielt. Ursprünglich wollte ich auch Nachtaufnahmen machen, doch solange wollte ich nicht bleiben. Wäre sicherlich interessant gewesen, denn am Abend gab es nette Situationen mit Licht und Wolken am Himmel.

 

Nachdem vor meiner Nase die Tür des Supermarktes versperrt wurde kurz vor 21 Uhr („Est fermé“) begab ich mich zu einer Bushaltestelle und rief die Nummer des Taxifahrers an… „I’ll be there in over 10 or 15 minutes, is it ok?“

Nach über 30 Minuten ein weiterer Anruf. „Deux minutes!“. Nach dem dritten Anruf und über einer Stunde Wartezeit kam er endlich und stellte dieselben Fragen wie bei der ersten Fahrt. Und auch der Fahrpreis war trotz einiger kürzerer Distanz der selbe. Der Taxifahrer hatte eine Karte zur Passage des Tors zum Terminal. Dann ging es weiter, eine massive Schranke versperrte kurz vor den Liegeplätzen den Weg. Kein Durchkommen. Es sei denn man betätigt den Knopf. Ich verstand kein Wort von der Pforte, der Taxifahrer schon. "What is the ship's Name?" "CMA CGM Alexander von Humboldt". Der Taxifahrer erwiderte einfach "Alexandre" in die Sprechanlage... naja... fast.

 

Am Abend füllte ich erstmals meine externe Festplatte und genoss dann, wieder verpackt in 5 T-Shirts, Pullover und Jacke das abendliche, französische Containerballett, mit etwas weniger Alarm (Vergleich zu Rotterdam). Hier in Le Havre waren die Abläufe analog Hamburg. Und auch unser Schiff war wieder durstig. Diesmal wurden wir von einem kleinen Tanker betankt. Es muss ja schliesslich bis Marsaxlokk dann halten.



In Le Havre kam ein kleiner Tanker zum Bunkern zu uns. Nächste Ladung gibt es erst wieder auf Malta.



Port2000 in Le Havre.



Weitere Container wurden beigestellt.



Das Terminal. Eigentlich war es recht analog dem Burchardkai in Hamburg, auch die Anordnung der Blocklager und der Bahnverladung (Kran im Hintergrund).



Es war ein schönes Schauspiel. Leider sah ich es nun letztmalig bei Nacht und am Tag drauf bei Tag.

 

Hungrig und müde ging es dann nach einigen Nachtaufnahmen in meiner Kammer ins Bett. Ironischerweise habe ich gegen 20 Uhr in ganz Le Havre keinen appetitlich aussehenden Imbiss gefunden. Und das ausgerechnet in Frankreich.



Nächtlicher Ausblick. Toll war auch das "CMA CGM eigene Wasser".



Die Uhr machte alle Minute ein lautes "Klack".




Ein Anblick, den man Zuhause nicht haben möchte.








 

 

© Philipp Schäfer