© Philipp Schäfer

Welcome to the Sea!

Ankunft Freeport in Marsaxlokk

 Tag 12: 9.05.2017: Zur Landratte bist du verdammt!

 

Und da war er schon. Der letzte Tag. Es war dennoch alles wie gehabt. Nur das flaue Gefühl im Magen (aber nicht von der See). Die anderen Passagiere waren teilweise eher froh, dass es vorbei war. Sie hatten sich über den Ablauf nicht gross informiert und wussten auch nichts über die Zwischenstopps bzw. dass man von Le Havre nonstop bis Marsaxlokk fährt. Das ist natürlich schlecht.

Ich wäre gerne noch geblieben, gerade Richtung Suezkanal, was ich auf jeden Fall noch machen möchte.

Also da war er nun, der letzte Tag.



Wind (und Abgase) von Achtern. heute qualmten wir extrem.

Unsere Essenszeiten versetzten sich zunehmend an das hintere Ende der definierten Stunde. Fünf vor Acht waren wir in etwa am Tisch. Heute war alles etwas gelassener. Zwar war mein Delfin-Bild mit Container noch offen, aber mir war bewusst, am letzten Tag mache ich so etwas nicht mehr.

Also zurück auf die Brücke. Endlich war auch der Sommer hier angekommen, T-Shirt war angesagt. Ich setzte mich manchmal auf die Stufen der Aussentreppe zur Nock und genoss einfach das Meer. Delfine sah man an diesem Tag nur noch einmal.

Am Vormittag fuhren wir an Sizilien vorbei. Da gab es kurz Internet, so dass ich die Lage in Marsaxlokk checkten (auf das gratis Schiffs-W-LAN habe ich verzichtet um der Nachrichtenflut zu entgehen). Unser Liegeplatz war leider schon frei. Also mit ankern wurde es auch nichts. Und auch eine MSC Kiste würde uns wieder erwarten, diesmal aber eine etwas „kleinere“: Die MSC Teresa.



Die Insel passt auf eine Karte. Die Elbe nicht.



Unser Begleiter: Die Mærsk Enshi.

 

Am Tag zuvor hatten wir einen Mitstreiter bekommen. Wir waren etwas schneller als die Mærsk Enshi und sie tauchte immer wieder auf der Anzeige auf. Heute bekam man sie am Horizont zu Gesicht. Die Enshi ist noch nicht sehr lange bei Mærsk. Bis zur Pleite der südkoreanischen Reederei Hanjin fuhr sie als Hanjin Amercia im Europa-Asien-Dienst. Der Schriftzug war entfernt, die schwarze Farbe recht gut erhalten (sonst müsste man ja Abdrücke der Buchstaben deutlich sehen, sie sind aber nur noch gering sichtbar…) und der Schornstein hat lediglich das Logo verloren.
L
etztmalig gab es Mittagessen. Es war wie immer sehr gut zubereitet, unser Koch hatte es wirklich gut drauf. Dennoch beschlossen wir, dass wir nicht noch bis zum Abendessen warten. Ich überlegte mir ernsthaft, noch eine Nacht zu bleiben, aber das Hotel war schon gebucht (hätte ich dies nur gemacht…). Doch runter vom Schiff muss man sowieso.
Also kurz grobe „mündliche Formalitäten“ geklärt und dem Captain Bescheid gesagt. Er ging wie der Steward und weitere ebenso von Bord in seine Ferien.
I
ch erfuhr, dass um 13 Uhr die ganze Mannschaft für ein Bild zusammen kam, also hat meine Anfrage beim Kapitän doch geklappt. Also schnell das Mittagessen verdrückt und unter Zeitdruck wieder hoch auf die Brücke. Einen Rundgang draussen machte ich heute nicht mehr. Um 14 Uhr sollten wir in Marsaxlokk eintreffen und um 16 Uhr könnte man von Bord.

Nachdem sich wirklich alle (zumindest gefühlt) auf der Brücke versammelt hatten, gingen wir kurz auf die Nock und ich mit dem anderen Fotografen auf das Brückendach (wir fuhren aber weiterhin). Hier durfte man als Passagier nicht drauf, es war zu gefährlich wegen der Strahlung der Radar- und Antennenanlagen. So scharf drauf war ich nicht, viel mehr Möglichkeiten hatte man hier nicht.

Ein dickes Dankeschön an die lieben Crewmitglieder:




Die Stimmung war recht gut und es gab noch diverse andere Bilder. Der 1. Offizier wollte mit seiner Kaffeetasse verewigt werden, die ihn immer begleitet schon seit Jahren. Danach bekam ich ein Stick und die Crew bekam selbstverständlich die Bilder.
Die Crew verflüchtigte sich dann wieder auf ihre Posten/Kammern und es ging weiter. Wie der Vormittag verbrachte ich den Nachmittag mehr auf der Nock und holte mir leider auch den ersten Sonnenbrand an den Armen.



Land in Sicht. Wir fuhren die Insel einmal komplett entlang von Nord nach Süd.




Rio Bravo



G
egen Mittag war dann Land in Sicht. Eine felsige Küste, nicht all zu breit. Es war Malta. Davor eine kleine Mini-Natur-Insel (und eine Bohrinsel um die wir drum rum fahren mussten).

E
s war wie die Tage zuvor, aber doch anders. Man konnte erstmals im T-Shirt raus, der Wind war nicht mehr so stark, er hatte zudem gedreht und wehte von Achtern. Das heisst, dass der ganze Abgasrauch zu uns kam, glücklicherweise aber einige Meter höher, so dass man selten was roch. Auf der Elbe war es teilweise anders und es gab Momente wo einem das Atmen schwer fiel… dann ging es flugs in das Gebäude der Brücke. Dank gedrehtem Wind hörte man auch leise den Motor vor sich hin stampfen. Immer verbunden mit dem lauten surren, brummen und klacken von den Reefern. Unermüdlich brummten sie vor sich hin. Hielten kurz inne und dann ging es wieder los. Irgendwie hatte ich den Eindruck die Maschine ist „müde“ und froh auf einen Stop auf Malta. Aber klar, das muss die Anlage aushalten. Die Fahrt danach bis Jebel Ali (Dubai) wird auch nicht kürzer. Ein paar Anker-Stopps am Suezkanal (Checks und Personalaufnahme), aber sonst geht’s vorwärts.
D
ie Sonne setzte sich zunehmend durch und brannte unermüdlich aber nicht zu heiss. Ich musste an die Nordsee, Hamburg und Le Havre zurückdenken, an Rotterdam und meine Aussentrips… Fünf T-Shirts und einiges darüber. Und jetzt reicht eins.


Wir fuhren weiter der Insel entlang, immer weiter. Parallel, aber etwas schneller als die Mærsk Enshi, die ihre Fahrt wegnehmen musste. Die MSC Teresa blockierte noch ihren Liegeplatz. Wir zogen an ihr vorbei und begegneten einem Hamburg Süd Schiff. Die Rio Bravo diesmal, nicht die San Clemente. Sie hat Marsaxlokk eben verlassen. Da kamen wieder Erinnerungen an den Start auf, die Bilder aus Hamburg, wie alles begann im HHLA Gebäude oder die Trips durch die Stadt und Schleswig-Holstein.

Wehmut kam auf als hinter den Felsen die gewaltigen Containerbrücken auftauchten. Ein Steuermann bereitete die Lotsenflaggen vor, gehisst wurden sie noch nicht. Der Lotse war schon am Tag zuvor bestellt, auf 14 Uhr („fourteen hundred“).

E
r kam mit einem Schnellboot auf die Steuerbordseite. Jetzt nahm der Wind aber wieder extrem zu und peitschte über die Nocks. Das Schnellboot umrundete erst das Schiff für eine Inspektion. Apropos Inspektion: In Le Havre stieg ein waschechter Brite (man hörte es schnell am Akzent) zu, ein Mitarbeiter der Klassifizierungsgesellschaft „Bureau Verritas“. Er inspizierte das Schiff gründlich, checkte alle Sicherheitseinrichtungen und verliess dann ebenso in Le Havre wieder das Schiff.
Die Hafeneinfahrt von Marsaxlokk war traumhaft. Ein Fels ragte weit ins Meer hinaus mit Befestigungsanlagen und einem idyllischen Leuchtturm. Viele Fischzuchten befanden sich dort. Mein Gedanke war „muss man die schon enge Hafeneinfahrt noch enger gestalten?“.

 

 

Die zwei stärksten Schlepper machten and er CMA CGM Alexander von Humboldt fest und bugsierten uns Richtung Liegeplatz. Eine enorme Drehung musste vollzogen werden. Der Lotse kam kurz auf die Nock und machte ein Handybild. So kam ich mit ihm kurz ins Gespräch, sehr freundlich. Ihn fasziniert es immer wieder wenn es auch sein tägliches Brot ist. Ich teilte ihm dann mit, dass es der vorletzte Anlauf ist von einem grossen CMA CGM Schiff. Die Woche drauf kam noch die CMA CGM Vasco da Gama und dann war der FAL 1 Umlauf Geschichte von der alten Ocean-3-Alliance. Die grösste Herausforderung ist eine Mærsk Triple E hier an die Pier zu bringen mit ihren zwei grossen Schiffschrauben.

Langsam näherten wir uns der Pier und waren dann um 15 Uhr ca. am Festmachen. Wenn man das Terminal anblickte, sah alles etwas runtergekommen und „locker“ aus. Statt Vancarrier gab es hier kleine LKWs, die die Container auf Gestellen wegstellten.



Freeport Malta.



Die erste Leinen sind fest.. hier kam eine weitere Wurfleine an Land.



Unser Liegeplatz.






Ein letzter Check: Wind angenehme 12,3 Knoten (starke 20 km/h), es war kurz nach drei, die 0,2 Knoten Fahrt gab es nicht freiwillig, 3,6m hat man hinten unter unserem Schiff, wer grösser ist muss vorne sein, da gibt es 4,4m und sonst war alles ruhig.


Um 16 Uhr war dann alles erledigt. Die Gangway stand und ich ging gemütlich auf meine Kammer, aufräumen und packen. Leider musste ich dennoch Gas geben, da ich die Bilder auf die externe Festplatte als auch auf den Sick bringen wollte. Im Officer-Office auf dem G-Deck (da war ich leider nie bisher) bekam ich meinen Reisepass wieder. Auf dem Weg dorthin verabschiedeten sich sehr flüchtig schon die anderen beiden Schwaben. Doch es war nicht das letzte Mal, dass ich sie sah. In Malta in einem eher runtergekommenen Viertel begegneten sie mir an einer Hausecke. Ja, Malta ist klein. Zufall.

 

Zurück aufs Schiff: Im Office hing der Hals der Sektflasche, mit der das Schiff in Hamburg getauft wurde in einem Schaukasten. Nach diversen Unterschriften bekam ich meinen Reisepass wieder und war ein "freier Mensch".
„We make blackout“ hiess es seitens des Captain. Ich hätte noch 5 Minuten Zeit das Boot zu verlassen. Licht funktioniert weiterhin. Ich beschloss, die Treppen zu nehmen, da ich dies nie und nimmer schaffen würde.

 

Also ging ich zurück in meine Kammer, das letzte Mal, sah alles nochmal durch, schloss den Koffer, richtete mich und begab mich ins Ungewisse. Erstmals noch die Treppen hinab. Ich habe sie immer noch im Kopf. Erst das E-Deck, das D-Deck, das C-Deck und im B-Deck machte ich nochmals kurz einen Stop. Es war kurz nach 17 Uhr und roch wieder nach Hühnchen. Ich stellte meinen Koffer ab und ging nochmals in die Küche. Der überfeundliche Koch brach fast in Tränen aus und wollte mir noch allerhand Dinge mitgeben. Eine Wasserflasche (er hätte mir auch ein Sixpack mitgegeben) schaffte es nicht nur in meine Tasche sondern auch in meine Wohnung. Es macht schon was her mit dem Etikett.

W
eiter ging‘s am A-Deck vorbei ins Upperdeck. Hier verabschiedete ich mich noch vom 1. Offizier und ging zur Gangway. Noch ein längeres Gespräch mit der diensthabenden Bordwache und er trug mir wieder den Koffer hinab. Ich folgte ihm und dann hiess es warten auf das Taxi. Doch es kam nicht. Ich war nicht sonderlich traurig darüber und nutzte die Zeit. Die wenigen Containerbrücken standen recht entfernt, so dass die unendliche Grösse des Schiffes erstmals zur Geltung kam. So richtig frei rumlaufen traute ich mich anfangs noch nicht. Es ist immerhin Terminalgelände. Ich kenne noch die Geschichten vom Berufsfotograf, der es in Hamburg und Rotterdam nicht schaffte raus zu gehen. In Le Havre suboptimal mit strenger Aufsicht.






Kommentarlos... und sprachlos.



Die tolle Aussichtsplattform.



Letzter Abschied von Kadettin und 2. Offizierin.



Vor uns lag die kleine CMA CGM Mozart unter französischer Flagge, aber recht klein.



Die ersten Container gingen von Bord.



Die Fender sind in allen Häfen auch gigantische Anlagen.



Da hatte wohl der Maler keine Lust mehr...



Mein grosser Koffer...


Nach knapp 30 Minuten aber war dennoch mal genug. Es war ein stückweit Folter… neben einem die Treppe nach oben aber man muss weg. Also stellte ich den Koffer neben einen Poller und ging nochmals hinauf zum 1. Offizier. Es gab ein Missverständnis und so hätte ich lange warten können. Dann hiess es abermals 30 Minuten warten. Also nochmals verabschiedet und hinab ins Terminal. Der Koffer war noch da und ich ging schnurstracks weiter an das Bug. Durch zwei Containerbrücken hindurch. Es war einiges Personal unterwegs, keiner zeigte Interesse.








Ich muss allerdings dazu sagen, dass ich schon in anderen Terminalanlagen und Gleisanlagen legal unterwegs war und daher wusste, auf was es ankommt.

 

So gelang es mir noch ein Bild vom Bug zu machen und vom Namen des Schiffes. Die Buchstaben sahen so kleine aus, waren aber mindestens so gross wie ein komplettes Stockwerk!
Erst hier war mir das Ausmass dieses Fahrzeuges bewusst.



Erstaunlich wie früh sich das Schiff vorne verjüngt.



Grosse Schrift für grossen Namen.



Ein wahrer Gigant.



Die Leinen von unserer CMA CGM Alexander von Humboldt und der CMA CGM Mozart.



Falls jemand noch die Bilder vom Mooring aus Rotterdam im Kopf hat... als Vergleich die Rattenteller und Taue in den Händen von Personen.



Verdiente Pause nach fünf Tagen strammer Fahrt.



Die Rattenteller.


Als ich zum Heck wollte fuhr ein altes Auto heran, öffnete die Beifahrertür und der Fahrer stieg aus. Moment, da passt was nicht. Ach klar, Malta hat Linksverkehr wie in England. Das war mein Taxi. Also schnell zum Fahrer und gesagt, er solle mich zum Hotel bringen. Nach der Frage ob ich zahlen muss (leider ja) ging es los. Ich wollte erst, dass er am Heck anhielt für ein weiteres Bild, doch das war zugestellt. Also auf zum Hotel.


An der Schranke war Schluss. Ich musste mit Ausweis in die Pforte, niemand wusste Bescheid und um was es geht (und dafür auf dem Schiff noch 30 € Gebühr hinterlegen müssen). Nachdem alle sich gegenseitig fragend anschauten ging es weiter. Der Taxifahrer hat ebenfalls mal in meinem Hotel gearbeitet, er kommt aus Marsaxlokk und er lachte kurz über das alte Auto vor uns wo pausenlos ein Hund bellte. Mehr Infos kamen nicht. Schade.

G
enerell habe ich Malta nicht so schön in Erinnerung. Der Baustil ist zwar überzeugend doch alles verwahrlost und runtergewirtschaftet. Das gebuchte Hotel war eine totale Katastrophe und ich frage mich, wie diese zu den fünf Sterne kommen. Da fühlte ich mich im Novotel in Hamburg um vielfaches besser aufgehoben. Sie hatten mich nicht auf der Buchungsliste, die letzte Nacht war unsicher (was mir den nächsten Tag durcheinander brachte und ich den Aufenthalt somit nur mit Einschränkungen geniessen konnte) und das Personal teilweise unverschämt unfreundlich. Ein Hotelangestellter verschwand mitten im Gespräch und das Housekeeping liess nach ihrem zweiten Rundgang einfach meine Zimmertür wagenweit offen stehen. Zum Glück war alles noch vorhanden. Von dieser Hotelkette kann ich bestens nur abraten!

Da war die ganze Erholung auf See binnen wenigen Stunden wieder dahin. Schade. Auch sonst fand ich die Leute überwiegend unfreundlich.

So war es eine Wohltat, früh morgens am Flughafen im Swiss Airbus A319 von einem überfreundlichen „Grüezi wohl“ begrüsst zu werden.

Der Flug war halbwegs angenehm auch ohne Fensterplatz, der Motorenlärm hielt sich in Grenzen und zum Glück gab es über Deutschland und Zürich dennoch einige Luftlöcher (was allerdings kein Ersatz für eine noch wildere Biskaya gewesen ist).

I
ch kaufte mir anschliessend am Zürcher Hauptbahnhof was zu essen und wählte die langsamere, schönere Verbindung via Baden – Brugg nach Bern. Die Zugfahrt war angenehm. Ich nutzte die Zeit um Mails und Nachrichten zu beantworten, welche auf hoher See liegen geblieben waren.

Welcome back… der Koffer war schnell entpackt und ich setzte mich an mein Laptop. Über 6000 Bilder mussten aussortiert und bearbeitet werden.


Letzte Impressionen:












MSC Teresa.





Als Schlusswort: Ich wünsche der Crew weiterhin eine gute, sichere und pünktliche Reise.

Vielleicht noch ein Hinweis: Auch wenn ich mich sehr wohl auf dem Schiff gefühlt habe, viel länger hätte die Reise jedoch nicht dauern sollen. Irgendwann wird alles Routine und tendiert zur Monotonie. Zumindest eine Reise ohne weitere Stopps.



(… und da ich überstürzt eine neue Ausrüstung gekauft habe, ist Photoshop und Kamera nicht mehr kompatibel. So muss ich in naher Zukunft nochmals über viele Bilder hinweg. Diese werden dann auf der Homepage ersetzt. )

Ich hoffe, der Reisebericht hier hat gefallen und ich wünsche weiterhin viel Spass auf dieser Seite.










© Philipp Schäfer