© Philipp Schäfer

Welcome to the Sea!

Biskaya

 

Tag 8: 5.05.2017 Es schaukelt

 

Am nächsten Morgen wachte ich wieder am Wecker auf. Doch gleich nach Sekunden dachte ich „irgendwas ist anders“. Das Wetter war grau (auf See lies ich die Rollos offen). Aber dann: wir rollen. Es war etwas rauer geworden in der Biskaya. Immerhin hat sich mein Handy wieder „gefangen“. Vor Le Havre hat es sich in die englische Zeit eingeloggt und ich hatte somit das Frühstück verpasst. Es war anfangs ein ungewohntes Gefühl, das stimmt. Doch das kam eher vom Gedanken „halte ich so etwas aus?“ Früher als auch heute bin ich bei solchen Sachen nicht empfindlich. Nur schwindelfrei bin ich nicht (wo man auf dem Schiff aber ab und an „durch“ musste). Es ist kaum vorstellbar, dass ein Schiff mit 396m Länge und 54m Breite sich auch den Wellen beugt. Natürlich nicht so extrem wie andere Schiffe. Ein Tanker wurde regelmässig von Wasser überspült und in den kleinen Kümo’s kann man nur mit Gurt sitzen. Doch wir hielten unseren Kurs tapfer und "rasten" mit knapp 20 Knoten (ca. 40 Km/h) durch die Biskaya. Wenige Crewmitglieder und ein Passagier machte es zu schaffen, ein anderer war es von einer Reise zuvor schon gewohnt. Ich fand es dagegen sehr angenehm und hoffte vielleicht zumindest auf einen kleinen Sturm. Beim Mittag- und Abendessen waren wir nur zu dritt am Tisch. Nach dem Dinner ging ich auf die Brücke und meldete mich bei der 2. Offizierin ab für einen kleinen Spaziergang zum Bug. „Don’t jump into the sea“ – und los ging‘s.



Blick aus dem Fenster... und ja, das Bild ist in Farbe.



Bisschen rollen... steuerbord, backbord, steuerbord... lustig hin und her.

Ich hatte eine kleine Hoffnung, dass wir Delfine sehen könnten. Ideal wäre ein Bild, ein Video, irgendetwas davon oder gar beides. Also vollgepackt mit Kamera und Handy (die Hülle mit einem Gurt an der Hose befestigt, die Gurte waren zwischen Boden und Möbel befestigt… - ja, etwas kurios) ging es dann ans Bug. Über Nacht hat es etwas geregnet. Zumindest war recht viel Wasser auf dem Upper-Deck und schaukelte emsig von links nach rechts. Laufen quer zum Schiff war auch lustig. Es sind immerhin über 50m und man braucht dazu „einige“ Zeit. Wenn man es sich bequem machen wollte lief man langsam und blieb immer zu gewissen Zeitpunkten stehen: Denn durch die rollende Bewegung nach Backbord und Steuerbord konnte man dann wahlweise bergab, bergauf oder wenn man normal durchläuft beides laufen.

Langsam kam die Sonne wieder durch. Warm war es aber nicht. Ich genoss das schaukeln und suchte nach Delfinen, Walen und anderen modernen Grosscontainerschiffen. Mehr oder minder erfolglos.

Einmal tauchte eine Wolke am Wasser auf, das könnte ein Wal gewesen sein. Ich bin mir aber nicht zu hundert Prozent sicher, schliesslich habe ich so etwas noch nie live gesehen. Immer wieder schaute ich mühsam über die Reling. Das Wulstbug war komplett unter Wasser.



Wir überholen einen Tanker.

Die Reling selbst war auf ca. 1,60m oder höher und mehrere Zentimeter breit. Es war sehr unbequem, darüber zu schauen. Gefährlich war es zwar nicht (man hätte hier schon aktiv runterhüpfen müssen), dennoch war es ein mulmiges Gefühl. Kein Delfin in Sicht. Ich suchte Ständig Alternativen: Das Loch am Bug für die Schlepperleine: Hier müsste man hin liegen, ein wenig Übergewicht und zack kann man die Geschwindigkeit des Schiffes live erleben, wie es an einem vorbeizieht. Andere Alternative war ein Schlitz in der Bordwand: Und zack, da passierte es: Ein Delfin hüpfte für wenige Sekunden am Bug und war sofort wieder weg. Wahnsinn wie schnell das ging. Oder anders ausgedrückt: Wenn das so abläuft: Keine Chance auf Bild oder Video. War unser Schiff zu schnell?

Ich überlegte mir wieder Richtung Brücke zu gehen und mich zurück zu melden und schaute spasseshalber, diesmal mit Kamera griffbereit, durch den Schlitz. Irgendetwas passte nicht, es schimmerte was durch das Wasser. Die Biskaya ist leider nicht so klar wie der Atlantik. Und tatsächlich, es war ein Delfin! Allerdings ging das so schnell, dass die Einstellungen der Kamera nicht mehr passten. Er hüpfte gerade zwei Mal (beim zweiten Mal gab’s das Bild) und weg war er. Und ich auch. Zurück auf die Brücke, dann gute Nacht!

 

 


Ein kurzer Sprung und dann war er wieder weg: Ein Gemeiner Delfin.



Ein Bulker am Horizont. Das Wetter blieb aber ruhig (leider).







 

 

 

 

© Philipp Schäfer