© Philipp Schäfer

Welcome to the Sea!

Der grösste Motor der Welt

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...so in etwa hört es sich "da unten" an... nur lauter... viel lauter.

Der Reihe nach.

Das tolle an einer Frachtschiffreise ist, dass man wirklich fast überall hin kommt. Die Brücke ist natürlich das Highlight doch ein Besuch unter Deck ist Pflicht.

Ich muss gleich zugeben, so richtig der Technik-Freak bin ich nicht. Ich weiss zwar wie ein Motor funktioniert aber im Detail kenne ich mich da nicht aus, da ich mich dafür nie gross interessiert habe.
Daher kann ich das alles leider nicht genau beschreiben. Für das berühmte Frage-Antwort-Spiel war es hier unten leider auch viel zu laut und man verstand trotz Schreien nichts... wenn auch mit Hilfe von allen Gliedmassen grobe Fragen geklärt werden konnten...

Nachdem unser philippinischer Freund uns den Lotseneinstieg und das Mooringdeck zeigte ging es erstmal Treppen hinab. "Steering-Room" stand an der Tür. Hier war der Antrieb für das Ruder drin. Klar, ein grosses Schiff braucht ein grosses Ruder. Um dies anzusehen müsste man ins Trockendock oder das Schiff von Ladung und Ballast befreien.

Das ein grosses Ruder auch einen grossen Antrieb braucht ist selbstverständlich. Doch habe ich mir hierüber nie gross Gedanken gemacht. Also, hier ist er nun, darf ich vorstellen: Der Antrieb für das Ruder:



Zugegeben: Er (der Antrieb) sieht noch recht knuffig aus. Auch finde ich interessant, wie gepflegt das alles aussah (mit den Latten auf dem Boden).


https://img.webme.com/pic/s/sea-trial/5001.jpg
Es ging sehr eilig zu, unser Deck Fitter hatte grosse Euphorie. Im Hintergrund das grosse Rohr zum Schornstein... weiter gibt es dort noch mehrere "kleine". Leider war ich dort nicht oben. Ebenso die Laderäume hätte ich noch gerne gesehen.



Danach ging's wieder weiter, durch Türen, Pforten, Leitern und Treppen. Nächster Halt: Ingenieurbüro im Schornsteinbereich.

Paar Fakten zum Ruder:
Typ: Full Spade Rudder (Vollschweberuder)
Maximaler Winkel: 35°
Zeit von vollem Ausschlag Backbord zu Steuerbord: 26 s
Minimale Geschwindigkeit mit Ruderwirkung auf Kurs: 7,2 Kn (müsste aber schon ab 5 Knoten gehen, Bugstrahler sind nur bis 5 Kn zulässig.)


Nachdem man Gehörschutz entgegennahm und eine Einweisung bekam ging's mit dem 3. Ingenieur "unter Tage". Schon vor dem Büro stand man auf ein Gitter mit Blick hinab ins Herz. So laut wird es schon nicht werden, dachte ich. Durch das Gitter kommt ja einiges durch.

Doch unten wurde ich eines Besseren belehrt, als ich kurz die Ohrmuschel entfernte..


Das ist der Gute: Der grösste Motor der Welt! Höher als ein vierstöckiges Wohnhaus!

Zeit für ein paar Zahlen?

Unser Schiff hat eine Länge von 396m und ist 53,6m breit. Die Seitenhöhe beträgt ca. 30m wovon 16m für den Tiefgang draufgehen kann (sprich vollbeladen sieht man eine 14m hohe blaue Wand... geht eigentlich noch).

Angaben mit neuem Propeller und neuem Wulstbug. Diese wurden im Juni 2016 im COSCO Shipyard Zhoushan/China ersetzt. Grund dafür ist, dass die Humboldt noch auf Geschwindigkeit ausgelegt ist (daher auch der gigantische Motor, die erzeit grössten Schiffe MSC Pegasus-Typ oder OOCL Hong-Kong Typ haben kleinere Motoren mit ca. "nur" 80.000 PS). Seit der Weltwirtschaftskrise, die die Containerschifffahrt enorm traf, sind die Reeder auf Slowstreaming aus: Langsame Fahrt. Dadurch können gewaltige Mengen an Treibstoff gespart werden wenn man statt 23 Knoten nur 17-20 Knoten fährt. Sehr viel langsamer ist man nicht unterwegs und es schont dazu hin noch die Umwelt:

IMO Nummer: 9454448
Bruttoraumzahl: 175.368
Nettoraumzahl: 101.053
Deadweight Tons (Tragfähigkeit): 187.396,6 MT (metrische Tonnen)
Anzahl Container: 16.020 TEU (Twenty Food Equivalent Unit, also ein 20'-Container), darunter 1.200 Anschlüsse für Reefer (Kühlcontainer)
Maximale Geschwindigkeit: 24,1 Kn


Motortyp: Wärtsilä Zweitakt-Kreuzkopf-Dieselmotor (14RT-flex96C) (angeblich derzeit der grösste Motor der Welt... )
Leistung: 80.080 kW (ca. 108.878 PS)
Umdrehungen: 102.0 U/min

14 Zylinder
Masse Motor: 2.300t
Wirkungsgrad: ca. 49,0%

Bohrung des Motors: 96cm
Hub: 2,5m
Hubraum: 1.809 l und 5.720 kW pro Zylinder


Tankinhalt:

Schweröltanks: 14.339,3t
Dieseltanks: 550,0t (für Umweltzonen wie die Nordsee und in Hafennähe)
Schmieröl: 462,2t (Ölwechsel nicht nötig, das Öl bleibt auf Lebensdauer drin).

Die "Betankung" (das Bunkern) dauerte mehrere Stunden und es beinhaltet mehrere Vorgänge: Zuerst wird Ölschlamm in ein kleines Tankschiff abgepumpt sowie das "Bilgenwasser", was sich unten im Kiel sammelt. Anschliessend kommen weitere Bunker-Schiffe mit Diesel und Schweröl. Letzteres ist ein Feststoff und wird für den Tankvorgang und für die Verfeuerung erhitzt.


Um das Schiff zu stoppen benötigt man im Extremfall ca. 7 sm (also knapp 13km).

Was ich interessant fand ist, dass das Schiff nach Backbord und Steuerbord verschieden lang braucht, um zu drehen.
Bei maximalem Ruderwinkel (35°) braucht das Schiff voll geladen bei voller Fahrt 632 Sekunden (Endgeschwindigkeit 9,2 Kn) um nach Backbord zu drehen (1163 Sekunden und 5,2 Kn bei halber Fahrt) und 735 Sekunden und 10,3 Kn (bzw. 1237 Sekunden und 5,7 Kn bei halber Fahrt) auf Steuerbordseite.

Das heisst um nach Backbord zu drehen hat man zwar eine niedrigere Geschwindigkeit, dafür braucht man aber weniger Zeit.



Putzige Zylinderkopfabdeckung.



Stromversorgung: Gleich vier Mal (die anderen beiden auf der anderen Seite).



Die Welle. "Aktuell" drehte sie sich mit 78 Umdrehungen/Minute (sieht man ja auf dem Bild).


In Bewegung:



Zur Schiffschraube:

Gefertigt wurde diese wie bei fast allen Grosscontainerschiffen in Deutschland.
Propellertyp: Fixed Pitch Propeller (Festpropeller)
Die Masse dürften in etwa sein:

10m Durchmesser (in etwa)
100t schwer
Hierzu habe ich leider keine Daten, ebenso zum Gewicht des Ankers selbst.


Zu den Querstrahlrudern:

Es gibt bei der CMA CGM Alexander von Humboldt zwei Bugstrahler:

Diese werden über einen Elektromotor angetrieben und haben eine Leistung von 2.000 kW pro Bugstrahler.
Bei 0 Kn Fahrt haben sie die Fähigkeit, das Schiff um 7,25° zu drehen pro Minute.
Ab 5,5 Kn haben diese keine Wirkung mehr (da kein Wasser mehr zugeführt wird. Durch die Kräfte die hier wirken, wird dann der komplette Bereich um die Bugstrahlruder zerstört).



Die mittlere Etage des Mehrfamilienhauses... einfach gigantisch!



Ein Luftfilter (das Runde in der Mitte).


Noch zum Anker:
Die Ankerkette besteht aus 14 Schäkel. Ein Schäkel hat eine Länge von 27,5m.
Also 385m Länge pro Ankerkette.
Die Kette wiegt 309t, die Anker alleine je über 20t.

Auf beiden Seiten benötigt man die selbe Zeit (1 Minute und 58 Sekunden) um den Anker zu heben.


Und der Sichtstrahl:
Beladen ist er 407,3m vor dem Bug, unter Ballastwasser 163,2m.
(Das ist quasi der tote Winkel, der durch Schiff und vor allem der Ladung verdeckt wird, daher auch der geteilte Aufbau damit das Deckshaus weit vorne ist).











© Philipp Schäfer