© Philipp Schäfer

Welcome to the Sea!

Kurzbeschreibung der Fahrt

Kurze Zusammenfassung der kompletten Fahrt

 




Auf dieser Seite möchte ich kurz die Chancen und Möglichkeiten, als auch etwaige Risiken darstellen in Form einer Zusammenfassung der Reise von Hamburg nach Marsaxlokk.

Mit grossem Ungewissen stieg ich am Bahnhof Harburg in das Taxi, welches mich zum Burchardkai brachte. Was würde mich erwarten? Wie sind die Leute? Gibt es weitere Reisende? Ist die Crew nett? Wird es langweilig? Wie ist das Essen? Ist die Unterkunft gut? Wie wird die See? …

 

Wichtig auf der ganzen Reise ist, dass man sich im Kopf behält, dass man auf einem Frachtschiff ist. Wartezeiten und Selbstständigkeit sind deshalb vorprogrammiert. Am Anfang ist man noch sehr vorsichtig unterwegs. Die Crew ist oftmals sehr versteckt (in ihren Kammern oder auf den Arbeitsplätzen), meist war man alleine unterwegs. Nach Bezug der grosszügigen Kammer begab ich mich sehr vorsichtig auf Erkundungstour, erstmal nur im Deckshaus. Man ist weitgehendst auf sich gestellt.

 

Frachtschiffe stellt man sich meist als alt, rostig, dreckig, etwas heruntergekommen vor, die Farbe bröckelt von der Aussenwand und das Personal ist ruppig und rau. Es stinkt, ist laut und ungemütlich, die Kammer klein, eine Pritsche als Bett und die Malzeiten schmecken schlechter als in jeder Schulkantine. Mag sicher auf viele Schiffe zutreffen, nicht aber auf moderne Containerschiffe, die im Liniendienst die grossen Seehäfen zugunsten unserer Handelsketten bedienen. Hier war genau das Gegenteil: Alles war gepflegt und anständig, man legt sehr viel Wert auf Komfort und dementsprechend war die Crew genauso freundlich.




Meine grosszügige Kabine.


Je grösser das Schiff ist, desto grösser müssen die Häfen sein. Grosse Häfen sind mit grossem Tiefgang verbunden und diese sind meistens nicht in Hauptbahnhofs- und Rathausnähe der Städte zu finden, wenn man mal vom wunderschönen Hamburg absieht. Daher ist es oft angesagt, auf dem Schiff zu bleiben. Zwar hat man die Möglichkeit in die Stadt zu gehen, doch es muss ja im Verhältnis zu Zeit und Kosten sein.

Der Vorteil ist, wenn man am Schiff bleibt (quasi im Hotel), dass man zahlreiche Einblicke bekommt in Geschehnisse, die man gar nicht, aus dem TV oder höchstens aus der Ferne kennt. Wenn man ein wenig weltoffen ist (man muss sich nicht zwingend für Technik interessieren), kriegt man auch in diesen Stunden definitiv keine Langeweile. Irgendwas gibt es immer zu entdecken.



Im Waltershofer Hafen, Burchardkai.

Das muss aber nicht heissen, dass man selbst auf grossen Schiffen nie an Land kann. In Hamburg und Le Havre nahm ich das Angebot wahr. Man muss nur beachten, dass man rechtzeitig zurück ist, nicht dass man seinem Dampfer nachwinken kann. Denn dieser wartet nicht.



In Hamburg sind nahezu an allen Terminals Aussenaufnahmen von Schiffen möglich. Am einfachsten ist es im Waltershofer Hafen, allerdings mit langem Fussmarsch verbunden.


Oftmals ist eine Fahrt mit einem Grosscontainerschiff auch mit dieser einer Kreuzfahrt auf einem Luxusliner vergleichbar. Zum Beispiel war unser Schiffskoch sehr gut und hätte durchaus das Potential, in einem sehr guten Restaurant zu kochen. Die Speisen waren optisch als auch geschmacklich ein Genuss.

Ob man auf grossen Kreuzfahrtschiffen mit 4.000 Leuten an Bord Ruhe finden kann? Möglicherweise in seiner kleinen Kammer die man für teures Geld buchen kann. Wenn man noch mehr bezahlt, hat man möglicherweise eine Aussenkammer mit Ausblick oder gar Balkon. Einen Balkon hatte meine Kammer jetzt nicht, aber das Schiff hatte an sich so viele Balkone, dass ich diese nicht brauchte. Meist war ich sowieso auf der Nock (das „Ding“ was links und rechts von der Brücke heraussteht) zu finden. Das ist quasi die Dachterrasse. Und so konnte man wunderbar über alles blicken, wie beispielsweise auf der Revierfahrt durch die Elbe.




Mein persönliches Highlight: Die Revierfahrt unter voller Sonne von Hamburg zur Nordsee.


Je nach dem Verhältnis zur Crew (was in der Regel von einem selbst ausgeht, da die Crew meist gerne den Kontakt zu anderen Menschen sucht, allein der Abwechslung halber) darf man diese dann mehr oder weniger begleiten. Und nochmals als Hinweis: Es ist ein Frachtschiff, hier arbeiten Menschen und es sind oft auch gefährliche Orte. Auch wenn nichts passieren kann und es im Ernstfall dann harmlos wäre, muss einem bewusst sein, dass es gewisse Einschränkungen gibt (z. B. Leine reisst, die das Schiff am Kai hält, diese fällt (angeblich) einfach nur zu Boden anstelle dass sie wie eine wilde Schlange herumwirbelt). Auch die Crew darf schliesslich nicht tun und lassen was sie will.

In Rotterdam hatte ich das Glück, dass ich direkt beim Mooring am Bug mit dabei sein durfte. Hier konnte man bestens die Abläufe sehen, was es braucht und wie lange es dauert, bis so ein grosses Schiff an der Pier festgemacht ist.




In Rotterdam war das Wetter nicht so gut. Mooring am Rotterdam World Gate.


Auch die Zugänglichkeit zur Brücke ist nahezu jederzeit gegeben. Auch nachts. Die Crew ist meist froh um etwas Unterhaltung auf offener See, im Hafenbereich oder bei schwierigen Manövern sollte man sich unbedingt im Hintergrund halten.



Die abendlichen Aufenthalte auf der Brücke waren immer sehr unterhaltsam und amüsant.

In „Nordeuropa“, wie der Abschnitt zwischen Southampton – Hamburg – Le Havre bei meiner Crew genannt wurde) gibt es viele Industriezentren, viele Häfen und demnach viele Stopps. So hat man quasi jeden Tag einen neuen Anlauf/eine neue Abfahrt. Quasi jeden zweiten oder dritten Tag befindet man sich in einer Stadt. Je nach Ankunfts- und Abfahrtszeiten kann man diese dann für Landgang nutzen. So habe ich dies beispielsweise in le Havre gemacht. Im Gegensatz zu Kreuzfahrtschiffen wo meist schon fix und fertig der Reisebus vor der Gangway steht muss dies hier „selbst“ organisiert werden. Shuttlebusse und Taxen werden durch die Schiffsoffiziere organisiert, anstossen muss man es aber selbst. Und abermals der Hinweis: Frachtschiff, die Leute haben gerade bei der Ankunft „besseres“ zu tun. Erst muss geregelt werden, wie die Container von und an Bord gehen!




Der letzte Zwischenstopp war bereits im französischen Le Havre. Danach ging es nonstop nach Malta. Letzte Chance für einen Landgang!

Zur Zugänglichkeit: Man kann wirklich mit wenigen Ausnahmen selbstständig ohne Begleitung überall hin. Weitere Orte (Gefahrenbereiche) sind entweder untersagt (Mooringdecks im Hafen oder das Brückendach wegen der Radar- und Antennenanlagen, Gesundheitsgefahr) oder mit Begleitung zugänglich (der Maschinen“raum“, die Maschine darf natürlich nicht „bestiegen“ werden). Gerade für Menschen die viel Ruhe brauchen oder und sich nach Entspannung sehnen ist der Bug eine grossen Containerschiffes ideal. Für mich war es stückweise ein magischer Ort, da hier teilweise komplett andere Bedingungen herrschten als auf dem restlichen Schiff. Ging man durch den grossen, weiss-hellgrauen Windbrecher auf die Freifläche des Bugs war alles verstummt: Keine Geräusche mehr von Wind und Wasser und auch kein Luftzug. Nicht einmal Fahrtwind war zu spüren, was sich allerdings von Meter zu Meter ändern konnte. Einzig Kühlcontainer können allenfalls zum Störenfried werden, aber man hört sie nur aus der Ferne vor sich hin surren und klackern. Sonnenuntergänge sind deshalb immer die Highlights. Ich hatte hier Glück und konnte jeden Abend mindestens einen halbwegs interessanten Sonnenuntergang erleben, selbst im Hamburg.




Herrlicher Sonnenuntergang im Ärmelkanal zwischen Frankreich und Grossbritannien.

Wer es nicht so mit Seegang hat und denkt, prima, 366m oder 400m Containerschiff, klasse, die werden robust sein und nix zu spüren sein, den muss ich tief enttäuschen. Auch grosse Schiffe werden von den Gewalten der Meere ordentlich durchgenudelt. Allerdings sind die Auswirkungen anders, als auf kleinen Feederschiffen oder Kümo’s (Küstenmotorschiff). Hier kann man nur mit Gurt angeschnallt auf dem Sitz bleiben. Der Seegang auf grossen Schiffen wirkt sich anders aus. Wenn sich ein Schiff um die Längsachse dreht bezeichnet man dies als „rollen“. Dies merkt man auf ruhiger See kaum, da es langsam geht und nur leicht. In der Biskaya (wir hatten leider Glück mit dem Wetter), war dies schon deutlicher spürbar. Lustig wird hier vor allem das Gehen quer zum Schiff. Vom „Stampfen“ (Drehung um die Querachse) habe ich auf der CMA CGM Alexander von Humboldt nichts mitbekommen, denn das rollen überwiegt.




Die Biskaya ist ein sehr raues Meer. Bei uns war sie (leider) sehr gutmütig. Ich hätte gerne einmal einen Regentag und hohen Seegang erlebt. Natürlich aber nichts Extremes.

 

 

Auch in ruhigeren Gewässer war das Schiff am rollen, wenn man es auch nicht oder nur sehr wage spürte, wie am Folgetag im sonnigen Atlantik.



Der Atlantik war dann wieder sonniger und ruhiger. Hier merkte man das Rollen des Schiffes nicht.

Je nach Schiffstyp und Fahrtgebiet kann sich der Alltag auf See sehr unterscheiden. Manchmal sieht man weit in breit nur Wasser und Himmel, manchmal fährt man sehr lange Küstennah. Sehr spektakulär sind dann Strassen, Flüsse und Kanäle (Elbe, Suezkanal oder Strasse von Gibraltar).

Hier lohnt es sich auch einmal früh oder gar in der Nacht aufzustehen, denn es ist immer gigantisch. Wir passierten Gibraltar leider früh um 5 Uhr, es war stockdunkel. Selbst um 6 Uhr war es noch sehr düster und ab sieben sah man dann schon viel mehr.



Die Strasse von Gibraltar passierten wir in Herrgottsfrühe.

Ein Muss auch für alle die von Technik nichts verstehen ist ein kurzer Gang zur Maschine. Das Herz eines jeden Schiffes muss man einfach mal gesehen haben und die Dimensionen und Kräfte auf sich wirken lassen. Grosse Erklärungen waren leider nicht möglich: Vor Ort war es zu laut, hinterher war keine Zeit (klar, die Leute müssen arbeiten) und auch sonst war ich nicht zwingend mit den Fachbegriffen (auf Englisch) vorbereitet.




Einfach gigantisch: Weit über 100.000 PS leistet die Maschine und benötigt pro Tag bis zu 500 Tonnen Treibstoff!

Nachdem ich den weltgrössten Motor besichtigt hatte ging es wieder ins krasse Gegenteil: Natur pur. Vorne ans Bug und ja, es gehört mehr oder minder Glück dazu, was für Tiere man sieht. Alles geht so wahnsinnig schnell, nur 5 Sekunden nach Steuerbord schauen und schon hat man backbordseitig was verpasst.

Da man auf so einer Frachtschiffreise viel Zeit zum Disponieren hat, kann man gerade für solche Zwecke diese nutzen. Andere zahlen eine Stange Geld um dann mit kleinen Booten zu nicht vorhandenen Walen zu fahren. Ok, in einem kleinen Boot wird die Dimension der Tiere halt erst bewusst. Aus meiner Sicht sah alles aus wie Spielzeug, selbst der grosse Wal neben unserem Boot. Mit einer Delfinsichtung hätte ich eigentlich schon gerechnet, allerdings hätte ich mir nie vorgestellt, dass ich griffbereit mit Kamera am Bug stehe, wenn diese gerade für wenige Sekunden ihren Spass austoben. Da es sehr mühsam war, über die Reling zu schauen, bin ich wirklich sehr froh, dass dies geklappt hat.



Auch der Natur kam man "sehr nahe": Eine Gruppe Gemeiner Delfine spielen am Bug der CMA CGM Alexander von Humboldt.

Auch mit der übrigen Tierwelt hatte ich in diesem Falle ebenfalls Glück. Fliegender Fisch, mehrere Wale, Delfine und sogar zwei Schildkröten gab es zu sehen.

Als ich auf der Brücke war habe ich die Tiere meist verpasst. Die Steuermänner erwähnten diese Tiere immer, aber gut, sie haben auch diesbezüglich ein „geschultes“ Auge. Für mich stellte sich oft die Frage: Gischt oder Delfin? Blas vom Wal oder Gischt durch Wind?


Die Sonnenuntergänge sind immer der krönende Abschluss eines Tages. Man kann diese (je nach Kurs) an verschiedenen Orten wahrnehmen. So schaute ich mir den im Ärmelkanal bewusst am Bug an,  die restlichen überwiegend von der Brücke aus (man muss nur Beachten: Sonnenuntergang im Westen).




Blick zurück in die unendliche Weite: Sonnenuntergang im Mittelmeer (wobei man am Mittelmeer in der Regel immer eine Küste sieht).

Wir fuhren recht flott und bis auf die Colombo Express von hat uns niemand überholt. Bei ca. 19 Knoten machte die Schraube 78 Umdrehungen pro Minute… ein gewaltiges Tempo wenn man sich den Durchmesser auf zehn Meter oder mehr vorstellt. Allerdings ebenso schnell kamen wir nun zum Ziel. In Marsaxlokk war Schluss, auch für meine Mitreisenden und den Steward der uns hervorragend betreute. Unsere Annahme der Steward ist nur für die Passagiere auf dem Schiff war falsch, es ist Personenzahl abhängig. Aber 30 Mann und Frau gab es einen solchen Posten. Neben den Passagieren gingen auch Crewmitglieder in den wohlverdienten Urlaub und auch der Inspekteur vom Burreau Verritas kehrte in sein Heimatland Grossbritannien zurück. Er war in Le Havre zugestiegen und checkte das Schiff auf Herz und Nieren.

 

 




Grosse Containerschiffe wie die Mærsk Enshi gab es nur selten zu sehen. Am ehesten noch in den Häfen und im Mittelmeer. Ich hätte mir da ein wenig mehr erhofft. Meist waren es nur Bulker und Tanker.


Andere Schiffe sahen wir bis auf im Mittelmeer eher wenige. Hätte ich so nicht gedacht. Leider habe ich die Jungfernfahrt der MOL Triumph beim Abendessen verpasst. Das brandneue Schiff mit einer Kapazität von erstmals über 20.000 TEU passierte unsere CMA CGM Alexander von Humboldt im Abendlicht im Abstand von nur 3 Seemeilen (also ca. 5km). Das war schon bitter.
Die Hafeneinfahrt in Marsaxlokk war noch ein letztes Highlight. Es sah wundervoll nach Urlaubsstimmung aus, zumindest von weiten. Ein wenig freute ich mich auf die Insel (leider war mein Aufenthalt hier leider nicht so toll, habe wohl die falschen Menschen getroffen), doch ich wusste gleich, dass ich das Schiff vermissen werde, vor allem auch Crew und der Kontakt zu anderen Reisenden.




Hafeneinfahrt in Marsaxlokk.

Der Abschied fiel nicht leicht, gerade wenn man sich so gut mit der Crew verstanden hatte und einem das Schiff voll und ganz zusagte (Kammer, Schiff selbst, Verpflegung, …). Das Wetter hatte prima mitgespielt und es war echt ein erstaunliches Erlebnis, das auf jeden Fall nach Wiederholung schreibt. Aber möglichst eine andere Route!


Achja, noch etwas: Aussenaufnahmen vom Schiff sind leider kaum möglich. Eine Drohne mitzunehmen hätte schon einen Reiz, aber sicher nicht auf hoher See unter 19 Knoten Fahrt. Aber gerade auf der Elbe wäre dies sicher gut gekommen (ich besitze aber leider keine).

In den Terminals herrschen strengste Sicherheitsbestimmungen, teilweise (z. B. in Rotterdam) von den USA übernommen. Diese haben sich seit 9/11 sehr verschärft. Meist durfte man nur wenige Meter laufen. Daher muss man eventuell versuchen, ein solche grosses Schiff von ausserhalb zu fotografieren (siehe oben in Hamburg). Oder bei Ankunft- und oder Abfahrt. In Malta hatte ich das Glück, kurz die „paar Meter“ nach vorne zu dürfen.




Der ganze Stolz im Hafen von Marsaxlokk. Weiter geht es ohne mich durch den Suzekanal über Jebel Ali (Dubai) dem Endziel China entgegen (mehrere Häfen).

Bei so eine Frachtschiffreise bekommt man den Einblick in den Alltag von Seeleuten. Dieser Beruf ist ganz gewiss nicht mehr der von vor 50 Jahren. Die meisten Abhandlungen hatte ich mir schon so vorgestellt. Aber oftmals gab es Überraschungen, egal ob auf dem Schiff oder in den Terminals. Dass z. B. all die Twistlocks noch manuell angebracht und entfernt werden müssen wunderte mich doch sehr.



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© Philipp Schäfer