© Philipp Schäfer

Welcome to the Sea!

Letztmals Leinen los

 Tag 7: 4.05.2017 Letztmals Leinen los

 

Es ist ein komisches Gefühl, wenn man doch eher am Anfang ist mit seiner Reise und doch schon ein Ende in Sicht ist: Nächster Stopp soll in fünf Tagen Marsaxlokk auf Malta sein.

 

Beim Frühstück sass ich wieder mit den beiden Schwaben zusammen. Eigentlich traf man sich immer zum Frühstück. Aber nicht abgestimmt, es war eher Zufall (ok, ist zugegebenermassen nicht schwierig wenn man 60 Minuten Zeitfenster hat). Nach dem Frühstück ging es etwas auf die Aussendecks und ich beobachtete, wie die letzten Container an Bord gingen. Die mich prägenden Container (wurden in Hamburg geladen) waren bereits wieder an Land. Es gab nichts zu tun aber dennoch hatte ich keine Langeweile. Ein kleines Hafenrundfahrtboot tuckerte durch den Hafen und machte intensiv Stop bei unserem Pott. Klar, wir sind eine französische Reederei. Einige Meter vor uns lag die MSC Anna, eine etwas grössere Kiste. Irgendwie hatten wir in jedem Hafen ein MSC-Schiff in unserer Nähe. MSC ist vor CMA CGM die zweitgrösste Reederei, nur die Dänen sind noch grösser (fahren aber in der Allianz mit MSC, was erklärt, warum alle MSC Schiffe voll mit Mærsk-Container sind).

Da das Wetter so schlecht war, ging es wieder auf die Brücke. Kurz bevor wir los kamen wurde die CSCL Star wieder in Position gebracht. Das dritte Mal, dass ich sie sichtete.



Tanzender Megaboxer.



Noch ist alles ruhig.



Wir passieren die CSCL Star der Reederei COSCO Shipping (ein ehemaliges China Shipping Schiff).

Kaum war sie fest, ging es bei uns los. Bis kurz daraufhin wurde bei uns noch geladen. Die Container Ship Gear Boxen kamen zurück, die Containerbrücken klappten nach oben, die Gangway wurde zurück genommen und die Leinen gelöst. Mit sehr langsamer Geschwindigkeit fuhr unsere CMA CGM Alexander von Humboldt aus dem „Port 2000“ und bog erneut in den Ärmelkanal ein.

Jetzt stand eine sehr lange Fahrt an. Am Nachmittag ging ich noch auf Spaziergang und umrundete das Schiff. Wenn man zügig läuft, schafft man es in knapp 10 Minuten vom Bug zum Heck. Es wurde auf hohe See wieder sonnig, man könnte meinen, da gibt es keine Wolken. Doch am Folgetag wurde ich eines besseren belehrt.

Auch diesmal plumpste die Sonne in den Dunst, sah dennoch nett aus.

Den Abend verbrachte ich (wie jeden Tag) auf der Brücke. In Le Havre hat ein Teil des Personals gewechselt: Zwei Mann gingen von Bord und der neue 3. Offizier, welcher schon ab Hamburg an Bord war, übernahm den Posten seines Vorgängers.

Bei den Seeleuten ist es so, dass diese mehrere Monate (unterschiedlich) auf See sind. Bei Filipinos kam es durchaus vor, dass diese sechs Monate arbeiten müssen, die Osteuropäer dagegen nur vier Monate. Anschliessend stehen zwei Monate Ferien auf dem Programm und es geht wieder zurück aufs Schiff. Gearbeitet wird hier übrigens täglich. Wochentage, Feiertage etc. gibt es nicht. Zwei Mal vier Stunden am Tag, immer abwechselnd. Daher lachte die Crew über jeden Montag.

Am Abend gab es dann wieder den üblichen Ablauf: Bilder versorgen, Akkus laden, duschen und ab ins Bett. Normalerweise schlafe ich meist recht unruhig in fremden Betten, doch hier ausnahmsweise echt gut. War es die Übermüdung?

 

 

Der Seitengang... 



Der Anker, so gross wie ein kleines Einfamilienhaus.

 

 Das Bug im sonnigen Ärmelkanal.

 


Die weissen Tonnen sind Rettungsflosse. Sinkt das Schiff (bitte nicht) steigen diese automatisch an die Wasseroberfläche.



Kurz zurück auf der Brücke: 8 Knoten Wind von vorne/steuerbord, 19,3 Knoten Fahrt, 50m unterm Kiel hinten, vorne 49m, die Neigung ist vernachlässigbar, Ruder leicht steuerbord und wir machen ordentlich vorwärts.




Sonnenuntergang am Bug.



Ein ruhiger Tag geht zu Ende. Kaum spürbar die Bewegungen des Wassers.








 

 
© Philipp Schäfer