© Philipp Schäfer

Welcome to the Sea!

Aufbruchstimmung

Tag 3: 30.04.2014: Aufbruchstimmung


Als ich aufgewacht bin, war alles wie am Vortag. Immer noch wurden emsig Container auf das Schiff geladen. Der einzige Unterschied war, dass sich viele Terminalmitarbeiter auf dem Schiff aufhielten und sich um das "Lashing" kümmerten (Befestigung der unteren Container, welche über Deck gestapelt werden). Wie das mit den Containern genau funktioniert, möchte ich dann noch detailliert erklären.
Am frühen Morgen um ca. 2:30 Uhr verliess der letzte Container das Schiff und ca. neun Stunden später kam die letzte Kiste ab Bord.



Die ersten Sonnenstrahlen geniessen.



IRISL und wasco - diese Container sieht man eher in geringer Zahl auf (CMA CGM) Schiffen. In Le Havre gingen sie wieder von Bord.



Lashing der unteren Container. Die oberen sind nur über Twistlock gesichert.



Die Container Ship Gear Boxen werden von der Plattform auf den Boden gesetzt. Von dort nimmt diese ein Stapler in die schiffseigenen Gestelle.



Die letzten Twistlocks liegen auf einem Pult. Dadurch kann der Stapler die Twistlock-Boxen schon versorgen. Letzter Container an dieser Brücke geht an Bord.


Petrus hatte es zum Glück mit mir sehr gut gemeint und uns einen vollen Sonnentag beschenkt. Dennoch war es recht kühl. Nach dem Frühstück (was auf dem Schiff eher durftig ausfiel: Toast, eine Käsesorte, eine Salami, ein wenig Müesli und wenige Brotaufstriche (keine Marmelade) erkundete ich erstmals den Aussenbereich (ok, deftig warme Eier mit Speck gab es auch aber... ney danke).
Zuerst ging ich steuerbordseitig ("starboard side") zu Bug. Der Aussenbereich ganz vrne vor dem Windbrecher war abgesperrt, aus Sicherheitsgründen (also hinter dem Windbrecher). Hier waren knapp zehn Taue mit einem Durchmesser einer grossen Würgeschlange stramm gespannt und hielten das Schiff an der Pier fest – noch. Anschliessend ging es am Windbrecher entlang auf die Backbordseite (port side) und dann knappe 400m nach hinten. Nach langem Fussmarsch erreichte man eine Treppe nach links… das war erst das Deckshaus.. also weiter. Acht Containerbays (Querstapelung) hatte man schon passiert… es folgten weitere zehn. Anschliessend war man Maschinenhaus mit dem grossen Schornstein in den Farben der Trikolore. Die Reederei CMA CGM stammt aus Frankreich und ist die drittgrösste hinter der dänischen Mærsk und der schweizerischen MSC in diesem Business. Gefühlt war man schon am Heck angelangt, doch es folgten weitere sechs Containerbays. Der Weg zurück auf die Steuerbordseite gestaltete sich schwierig, da man hier durch das Containergerüst durchgehen muss ("Hürdenlauf"). Das Mooringdeck (wo die Leinen sind) ist hier etwas abgesenkt. So war für mich klar, hier möchte ich das ablegen beobachten. Zurück zum Deckshaus. Hier sah ich, dass die ersten Containerbrücken nach oben „geklappt“ sind. Andere hatten das rote „Käfig“ mit welchem die Lascher letzte Containerverbindungen checkten und weitere Lascher brachten emsig die letzten Laschstangen an.


Jeder Rundgang ausserhalb des Führerhauses musste bei der Brücke an- und abgemeldet (und genehmigt) werden. Mir war klar, dass ich das Losmachen direkt bei den Leinen aus Sicherheitsgründen nicht beobachten konnte. Deshalb wollte ich auf das Deck darüber (Upperdeck, was sich von Bug bis Heck durchzieht) und dies von dort beobachten. Im Büro auf dem Upperdeck war gerade der erste Offizier dem ich meinen Wunsch vortrug. Um Verständigungsprobleme zu vermeiden zeigte ich mein Anliegen auf einem Querschnittsplan ("Capacityplan" oder "Technical details") im Korridor. Davor gab es nur die Antwort „wir legen jetzt ab, ich kann nicht mehr in die Stadt“ (in english). Dies wurde dann anstandslos genehmigt mit dem Hinweis, dass es sehr gefährlich ist und ich darf keines Falls nach unten.

Also schnappte ich die Kamera, Helm und Warnweste und spazierte wieder diese 250m nach hinten, vorbei an Containerstapeln auf der einen Seite und Laschgeschirr, welches dort an der Reling verstaut war, auf der anderen Seite. Hinten angelangt hiess es erstmals warten und ich positionierte mich als Fotomodel für die etlichen Hafenrundfahrtboote, die gerade ihre Runde im Waltershofer Hafen drehten. Rasch gingen die Kameras nach oben, um wohl mit einer Vergleichsperson die Grösse des Giganten zu zeigen.



Mein kleiner Rundgang. Blick in die Luftige Höhe: 110m sind die Ausleger der Containerbrücken über dem Terminalboden.



Die Abfahrtszeit war nun fix.



YOU HAVE BEEN WARNED



Blick auf das Deckshaus.



Die letzte Reihe vor dem Schornstein ist abgesetzt und ebenerdig zum Upper-Deck. Noch ist die Bay komplett leer. Das wird sich leider noch ändern aber für die erhoffte Grillparty im Mittelmeer war es noch zu kalt. Auch der Pool wurde nicht befüllt.



Auf dem Mooringdeck ist noch "Spannung". Basketball spielen ist gerade auch etwas schwierig...



De königliche Flagge ziert das Heck. Unser Schiff fährt unter britischer Flagge.



Endlos...



Hier wurde schon aufgeräumt: Links ein Laschkorb für die Lascher, das orange ist ein Überhöhenrahmen für überhohes Sperrgut (in Flat- oder Open-Top-Container). Das andere rote Gestell daneben (rechts) ist ein weiterer Laschkorb. Beide Laschkörbe sind "kombinierte" 20-Fuss-40-Fuss-Laschkörbe, wobei nur der Linke den 20-Fuss-Laschkorb eingesetzt hat.



Ein neues Blocklager entsteht zum Sortieren von Containern. Dahinter geht's dann auf die Bahn oder auch LKW. Übrigens verlassen die meisten Kisten seit kurzem Hamburg mit der Schiene. Wenn man bedenkt dass viele Terminals in anderen Ländern ausserhalb Europas nicht mal Bahnanschluss haben... auch das grosse auf der Insel in Shanghai. (3. Offizier: "An Island only for container ships").



Blick vom Maschinenhaus zum Deckhaus.



Alles schweigt nun.



Blick von Backbord nach Steuerbord an die Pier am Heck. Das meinte ich mit Hürdenlauf.



Es tut sicht etwas...


Und noch sonstige Bilder:



Rio Borrow



Stromversorgung der Containerbrücke.



Schmetterling.

















© Philipp Schäfer