© Philipp Schäfer

Welcome to the Sea!

Revierfahrt

 

Tag 3: 30.04.2017: Revierfahrt


Ich ging derweil wieder vor auf die Brücke. Zwar gab es bei der Sicherheitseinweisung die Angabe, dass man bei schwierigen Manövern nicht auf der Brücke sein soll, dennoch ging ich vorsichtig von aussen auf die Nock. Der andere Passagier aus Lausanne stand bereits dort mit seiner Kamera. Also gesellte ich mich hinzu und versuchte, niemandem im Weg zu stehen, was mir auch gelang. Ein bislang unbekannter Herr kam aus dem Führerhaus auf die Nock in Hemd und Krawatte. Er gelobte das Wetter und ich nutzte die Situation, um mit ihm in Kontakt zu treten. Es war der Lotse, welcher ab Brunsbüttel die Lotsung übernahm. Der Hafenlotse hatte die Humboldt schon verlassen und der Elblotse sass auf seinem Sitz, ebenfalls ein sehr netter Herr. Bei Teufelsbrück passierten wir die Airbuswerke und die dortige Landebahn. Es sieht aus, als würden wir landen, von der Höhe her. Doch wir zogen weiter mit gemütlichen 8 Knoten gen Nordsee, mit der Flutwelle. Mit uns verliess ein Konvoi von vier Schiffen Hamburg: Hinter uns die MSC Maya, dann ein kleiner „Kümo“ (Küstenmotorschiff) und dahinter die San Clemente von Hamburg Süd.



Frühling in Teufelsbrück: Hier verbrachte ich die ersten Minuten bei meinem Hamburg-Aufenthalt.



Die MSC Maya ging hinter uns, die San Clemente musste noch ein Kümo (links, rot) vorlassen.



Fertig zum Landen?


Es war herrlichstes Wetter und die Menschen genossen den Tag. Nächstes Highlight: Das Willkommhöft am Schulauer Fährhaus, auch als Schiffsbegrüssungsanlage bekannt. Aufgrund des Windes hörten wir nicht sonderlich viel. Nur aus der Ferne hörte man ein Krächzen der Lautsprecher „Wir würden uns freuen, Sie bald wieder im Hamburger Hafen begrüssen zu dürfen“ und der Hymne „God save the Queen“ (wir segelten unter britischer Flagge). Als Gegengruss erwiderte unser Schiff drei Signaltöne, womit etliche Leute zu winken begannen. Der erste Offizier kam auf die Nock und erfreute sich dem Anblick: „Nice!“.


Es war auch ein erhabenes Gefühl, auf die Bonzen in ihren Villen bei Blankenese hinabblicken zu können. Sehr gemütlich fuhren wir weiter elbabwärts. Idyllische (Bauern-)Häuser lagen hinter dem Deich, oftmals nur das Dach sichtbar. Teilweise blühte das Obst (Gesprächsthema der Lotsen) und der Raps. Immer wieder kamen kleine Leuchttürme zum Vorschein, meist zwischen kleinen Bäumen. Landschaftlich ist zwar alles flach, aber dennoch wunderschön anzusehen. Unsere mobile Aussichtsplattform brachte uns langsam aber kontinuierlich ans Meer. Plötzlich kam der Seelotse zu mir heraus und zeigte auf zwei kleine Segelboote, denen es nicht mehr ganz so gut ging. Eines lag auf einer Mole, ein weiterer Segler lief im Schlick auf Grund und sass nun ebenfalls auf dem Trockenen. Dass ein solcher Anblick bei Lotsen und Kapitän für Belustigung sorgen, wurde selbst bei diesem dennoch kühlen Apriltag sichtbar. Nicht wenige Male mussten wir unser Typhon erklingen lassen und der dicht hinter uns fahrenden MSC Maya ging es ebenso. Es ist einfach wahnsinnig, was sich manche Segler dabei denken, kurz vor einem solchen Koloss das Fahrwasser zu kreuzen. Naja, im Zweifelsfall haben sie den grösseren Schaden, wir vielleicht einen Kratzer im Unterwasseranstrich.




Ein letzter Blick zum Hafen... wobei, man sieht ihn noch recht lange...




Fähranleger Blankenese.



Alles unter Kontrolle.



...hier wohl weniger...



Die beiden Wracks an der Elbe. Im Hafen am CT Altenwerder lag auch noch eins...



Hier erfolgte die Verabschiedung aus Hamburg am Willkommhöft vom Schulauer Fährhaus.



Worüber kann ein Lotse und ein Kapitän lachen?



... genau.



Mittlerweile war ich allerdings mehr auf der Brücke zu finden als aussen, da die beiden sympathischen Lotsen sehr gesprächig waren und ich so viel von ihrem Beruf als auch von der Umgebung erfahren konnte und auf was für Schiffen sie am liebsten unterwegs sind. Der Kapitän, der ebenfalls auf der Brücke war, sowie die Offiziere hatten nichts gegen meine Anwesenheit. Im Gegenteil, ich durfte sogar uneingeschränkt fotografieren, auch Personen. Veröffentlichen werde ich diese Bilder allerdings nur teilweise. Am späten Nachmittag erreichten wir Brunsbüttel. Das Dinner musste ebenso wie das Lunch für mich ausfallen, da diese Fahrt einmalig war, vor allem bei dem Wetter. Die Lotsen bekamen das Essen auf die Brücke. In Brunsbüttel stauten sich kleinere Frachtschiffe. Schon wieder war eine Schleuse am NOK (diesmal in Kiel) defekt und nur eine Kammer nutzbar. Ein tägliches Spiel. Der komplette Kanal sollte dringendst saniert werden, doch der Bund reagiert nicht. Die drei Signaltöne (der Kapitän betätigte den weissen dicken Knopf „Whistle“ mit breitem Lächeln) galten aber nicht der auf Reede liegenden Schiffe sondern des Lotsens Frau, welche bei jedem Schiff, das er lotst, hinunter zur Elbe geht. Das Foto gab es prompt auf sein Handy (er wohnt in Brunsbüttel). Für ihn war nun allerdings erst Arbeitsbeginn, während sich der Elblotse mit seinem Mahl auf das Sofa verzog. Da die Revierfahrt (Fahrt vom Hafen zum Erreichen der offenen See) zwischen dem Hamburger Hafen und der Nordsee sehr lang ist, sind für Schiffe dieser Grösse drei Lotsen an Bord: Der Hafenlotse, der das Schiff in die Elbe bringt und anschliessend auf Höhe Teufelsbrück von Bord geht, sowie die beiden Elblotsen, die mit Wechsel in Brunsbüttel die Bezirke I und II lotsen.



Und hier sieht man den Salat: Viele Freizeitsegler fahren einfach mal munter hin und her... Einer der beiden Schwaben segelt ebenfalls und selbst er schüttelte nur den Kopf. Die MSC Maya als auch wir mussten mehrmals Achtungssignale geben.




Der Diesel brummt, die Maya folgt.



Die Revierfahrt zur Nordsee war mir persönlich das Highlight. Ich war so froh, dass es bei Sonne geklappt hat. Was für eine wunderbare Landschaft. Hier zwischen Kollmar und Brokdorf mit dem Leuchtturm Steindeich bei Bielenberg.



Noch weht die deutsche Flagge auf der Brücke.



Der zweite Lotse übernimmt ab Brunsbüttel.



Die deutsche Infrastruktur... viele Reeder umfahren den Nord-Ostseekanal schon, andere nehme die enormen Wartezeiten aufgrund defekter Schleusen in Kauf.



Noch mehr auf Reede liegende NOK-Warter.


Die Elbe wurde nun immer breiter und man erkannte ihr rechtes Ufer nur noch flüchtig. Die Schiffe fahren in der Wasserstrasse dann an Cuxhaven vorbei am linken Elbufer. Aufgrund unserer Grösse bekamen wir Unterstützung aus den Radarstationen der nautischen Zentrale in Hamburg und Cuxhaven. Hier gibt es ebenfalls Lotsen, die die gesamte Elbe im Blick haben. Sie arbeiten wie eine Behörde und kontinuierlich gab es standardisierte Funksprüche durch den Lautsprecher: ("Die Maya noch 400 Meter bis zur Schnittlinie", "Und die von Humboldt mit Sonderradar und Wegerecht hat soeben die Tonne Y passiert"). Wir fuhren mit Sonderradar (Unterstützung von Land) und Wegerecht, da wir zwingend auf die Fahrrinne angewiesen sind.


Noch ein paar Impressionen:




Der Schatten.




Weitere Leuchttürme in Rissen: Links das Oberfeuer und rechts das Unterfeuer.


Spielzeug.



Schon eine idyllische Landschaft hier. Selbst die Crew war entzückt: Ehemaliges Leuchtfeuer Julssand.



Die berühmte Hochspannungsleitung.



Es blüht der Raps in Bielenberg zwischen Kollmar und Brokdorf.



Die Nock im gelben Meer.







MSC Maya folgt.



Hinter'm Deich: Farmen zwischen Brokdorf und St. Margarethen.



Blick nach unten. Huia, hier wäre schwindelfrei sein von Vorteil... ich bin es leider nicht...











 

 

 


© Philipp Schäfer