© Philipp Schäfer

Welcome to the Sea!

Mooring in Rotterdam

Tag 4: 1.05.2017: Ankunft Rotterdam

 

Früh aufgewacht und ein Blick aus dem Fenster: Alles grau: Meer grau, Himmel grau und noch kein Land in Sicht. Nach dem Frühstück statte ich einen kurzen Besuch auf der Brücke ab und fragte, ob ich beim Mooring (Festmachen) in Rotterdam wieder hinten ans Heck darf. Dies war kein Problem und so begab ich mich recht flott zurück auf meine Kammer, Helm und Warnweste anlegen. Noch schnell an die frische Luft, erst auf Backbordseite, halleluja, da war man schnell wieder im Innenbereich. Auf der Steuerbordseite war es nicht wesentlich weniger windig. Die Frisur war auf der gesamten Reise sowieso dahin. Was soll‘s, ich ging die etlichen Treppen hinab zum Upperdeck (den Lift nahm ich recht wenig) und musste feststellen, so windig war es 30m weiter unten gar nicht mehr. Die philippinischen Crewmitglieder bereiteten bereits das Anlegen vor und auch die „Bordwache“ hat schon provisorisch ihre Position bezogen. Nach einem kurzen Gespräch meinte ich, dass ich wieder nach „Ashtern“ gehe. Ich wurde gefragt, ob ich nicht doch ans Bug wollte, am Heck war ich ja schon. Warum nicht. Also anstelle 236,1m nach hinten doch lieber nur 159,8m nach vorn. Dort war bereits eine grössere Mannschaft versammelt und auch die Offiziere mussten wieder mit anpacken. Zwischen Hamburg und Le Havre hatten wir neben zwei 2. Offizieren sogar auch zwei 3. Offiziere an Bord, allerdings verlies uns in Le Havre ein 3. Offizier.



Die Leinen, Taue und Trossen wurden in Position gebracht.



Vorbereitung der Wurfleinen mit dem "Affenkopf", die Rattenteller waren auch schon griffbereit, schön in den Farben der Trikolore.



Kaffeefahrt, OK, die Kaffeetassen kamen erst etwas später dazu...

Anfangs beobachtete ich das Geschehen hinter dem Windbrecher durch das Öffnungsportal auf Steuerbordseite. Wir näherten uns der Hafeneinfahrt (bereits nach dem Frühstück waren die Anlagen von Maasvlakte I und Maasvlakte II zu sehen (Maasebene)). Noch war alles entspannt. Auf den Pollern auf dem Deck standen Kaffee- und Teetassen und es wurde viel herumgealbert. Viele Crewmitglieder nutzten meine Anwesenheit auch für ein Fotoshooting.

Dennoch wurden alle Vorbereitungen abgeschlossen und die Taue, Leinen und Trossen in Position gebracht, ebenso die Rattenteller (Holzbretter, die verhindern, dass Ratten und Ungeziefer über die Leinen an Bord kommen).

Kaum waren wir in der Hafeneinfahrt, passierte uns der erste Schlepper, der unsere CMA CGM Alexander von Humboldt am Heck nahm. Der zweite, ein Bugschlepper, ging vorne an den Haken. Dies war schnell passiert und wir passierten den Bereich von Maasvlakte. Hier lag bereits die CSCL Star von COSCO Shipping, welche ich einige Tage zuvor in Hamburg die Essen Express von Hapag-Lloyd begegnen sah. Sehr gemütlich ging es weiter, ums Eck in den neuen Bereich von Maasvlakte 2. Hier gibt es noch viele brache Flächen, die aber der Umwelt dienen sollen, der Rest ist mit Betrieben, Hallen und Containern vollgestopft.



Bugschlepper Multratug 31

Wir gingen ans RWG, Rotterdam World Gate, ein recht neues Terminal, halbautomatisiert (analog dem Containerterminal Altenwerder hinter der Köhlbrandbrücke in Hamburg). Hier läuft der Umschlag etwas anders ab als im Containerterminal Burchardkai in Hamburg. Dazu später mehr.

Noch interessanter wäre das APM-Terminal von Mærsk gewesen, das ist bereits vollautomatisch und selbst die grossen Containerbrücken sind unbemannt.



APM-Terminal mit MSC Viviana.



RWG-Terminal, unser Liegeplatz (Rotterdam World Gate).


Doch noch waren wir auf dem Yangtzekanaal und bogen ins Zielhafenbecken ein. Die Festmacher warteten bereits mit ihren kleinen LKWs. Anders als in Hamburg, wo die Wurfleinen direkt auf die Pier geworden werden (mit einem Affenkopf, spezieller Knoten zum beschweren des Seilendes), bringen hier Festmacherboote die Taue ans Land. Dies war aber einzigartig in den vier Häfen die wir anfuhren. Das Festmacherboot, bzw. die beiden, je eins am Bug und Heck, kamen zu uns. Die Mechanik wurde gelöst und die Winden abgewickelt (das natürlich mit Motor). Das grosse Tau mit der Wurfleine wurde so in das Boot hinab gelassen. Dies brachte es dann an die Kaimauer, wo die Wurfleine dann hinaufgeworfen wurde und das grosse Tau mithilfe eines Motors an Land gezogen wurde. Ein zweiter Festmacher bugsierte dieses dann über den Poller. Das Festmacherboot kehrte dann flugs zurück zur Humboldt und schnappte sich das zweite Seil. Und so weiter. Nach und nach wurden diese dann stramm gespannt und das Schiff war dann am Kai fest. Es ist echt erstaunlich, was für eine Spannung auf den Tauen ist. Beim Anziehen zogen die Winden so lange, bis es recht laute Geräusche von der Streckung der Taue gab. Bei den modernen Containerschiffen ist es übrigens so, dass eine Automatik die Taue lockert oder spannt, je nach Tide. Bei älteren Schiffen und Tanker/Bulkcarriern muss dies von Hand gemacht werden. Nachdem alles erledigt war wurden die Rattenteller angebracht und die Winden verschlossen. Alle, inklusive mir, verliessen das Bug und die Absperrstange mit der Warntafel wurde angebracht. Ich ging derweil zurück auf meine Kammer. Mittagessen stand bald wieder auf dem Programm.



Alles war vorbereitet. Hier wird das Heck festgemacht. Das linke Festmacherboot fährt nun 400m vor zum Bug.



Das Tau wird hinabgelassen in das Festmacherboot, welches knapp 30m unter uns liegt.



Es bringt die Leine an die Pier. Dort wird die Wurfleine mit dem Affenkopf voran hoch geworfen.



Eine Winde auf dem Pkw zieht das eigentliche Tau hinauf.



Anschliessend wird es über den Poller gehievt.



Die Deckmannschaft wartet auf die Rückkehr des Festmacherboots. Anschliessend folgt das nächste Tau. Mit Handbewegungen und Zurufen wurde kommuniziert ob es "mehr Schnur" braucht, die Leine muss sehr locker dabei sein.



Blick nach unten.



Dann schauen wir auch mal hinab... uargh... geht das runter, ...



Nach und nach wurden die Mooringwinden abgewickelt.



Das nächste Tau geht zu Tale.



Nachdem die Leinen gespannt waren (was für Geräusche!) wurden die Rattenteller platziert. Ebbe und Flut wird übrigens durch eine Automatik ausgeglichen.












© Philipp Schäfer